Chloranisole / Fertighausgeruch

Allgemeines über Chloranisole
Chloranisole sind Verbindungen, die sich vor allem in älteren Fertighäusern (insbesondere aus den sechziger Jahren) als schimmelig-muffigen Geruch zu erkennen geben. Aus diesem Grund hat sich auch die umgangsprachliche Bezeichnung „Fertighausgeruch“ oder „Fertighausgestank“ für diese olfaktorische Belastung sowohl der Innenraumluft als auch der nahe umliegenden Außenluft solcher Häuser durchgesetzt.

Weniger negativ formulierter Vergleich für diese stoffliche Verbindung ist der typische Korkgeruch von Weinen, den kein Weinliebhaber beim Genießen des Getränks missen möchte. Auch dieser Geruch verdankt seinen Ursprung den Chloranisolverbindungen.

Chloranisole treten insbesondere in den Fertighäusern mit im Innenbereich als auch im Außenbereich (Gebäudehülle) sowie im Bodenbereich verbauten Spannplatten (vor allem des Typs V100G) auf. Diese Hölzer wurden früher mit Holzschutzmitteln (Tetra- und Pentachlorphenol (PCP) oder Lindan) behandelt und dienen somit als Entstehungsquelle für die typischen Gerüche. Die Fachwelt geht davon aus, dass die Entstehung der Chloranisolverbindungen immer mit der Feuchtigkeit und der Schimmelpilzbildung; verbunden mit der Zersetzung des Holzschutzmittels zusammenhängt. Die Chloranisolverbindungen können somit als ein Neben- bzw. Ausscheideprodukt bei der Zersetzung des Holzschutzmittels durch die Schimmelpilze angesehen werden.

Erstmals wurde der Geruch nach Chloranisolen im Jahr 2003 durch das ARGUK-Umweltlabor identifiziert.

Charakteristische Eigenschaften der Chloranisole sowie Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit

Die charakteristische Eigenschaft der Chloranisole ist der penetrante Gestank, der weder vor Kleidung der Bewohner, Haaren oder anderer weicher Oberflächen halt macht. Dieser Geruch setzt sich nach einer längeren Aufenthaltsdauer in den belasteten Innenräumen in jeglichen Materialien (s. o.) fest, ist nur sehr schwer abwaschbar, verflüchtigt sich nur sehr langsam und bleibt somit noch für einen längeren Zeitraum für die Außenstehende wahrnehmbar.

Bislang gibt es keine nachweislichen Erkenntnisse darüber, dass diese Verbindungen toxikologisch basierte gesundheitsschädliche Eigenschaften aufweisen. Dennoch wirkt sich der längere Aufenthalt in den belasteten Räumen negativ auf den menschlichen Organismus aus. Dies ist jedoch vielmehr auf eine psychosomatische Folge zurück zu führen.

Der penetrante Geruch der Chloranisolverbindungen führt bei den meisten Menschen zu einem Fluchtgedanken oder Fluchtwunsch. Widersetzt man sich jedoch diesem natürlichen Schutzinstinkt über einen längeren Zeitraum, so kann dieses unnatürliche Verhalten eine psychische Belastung in Form von Dauerstress (teilweise instinktiv und nicht aktiv wahrnehmbar) führen.

Sanierung von mit Chloranisolen belasteten Bauteile / Immobilien

Die erfolgversprechendste Sanierungsart in Verbindung mit Chloranisolen besteht im vollständigen Ausbau und Entsorgung von mit den Holzschutzmittel und Schimmelpilzen belasteten Bauteilen. Obwohl diese Sanierungsmethode oft als sehr radikal gesehen wird, bieten sie die meiste Aussicht auf einen Sanierungserfolg. Weniger grobe Sanierungsmethoden wie zum Beispiel die räumliche und vor allem luftdichte Trennung der befallenen Bauteile oder Beschichtung dieser führt nur selten zum Erfolg, verschlingt jedoch nicht weniger Geld, Aufwand und unnötigen Stress.

In vielen Fällen erweist sich aber eine fachgerechte Sanierung der mit Holzschutzmittel, Schimmelpilzen und somit Chloranisolen belasteten Bauteile als technisch nicht umsetzbar. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die auszubauenden Hölzer eine statische Funktion erfüllen und nicht ohne Weiteres ausgebaut und ersetzt werden können. Solche Extremfälle können zu einem enormen Schaden des gesamten Bauwerkes führen. Nicht selten spricht man dabei von einem „Totalschaden am Bauwerk“.

Unabhängig von der gewählten Sanierungsmethode werden bei jeder Sanierung von Chloranisolen Arbeiten an mit Holzschutzmittel belasteten Bauteilen getätigt. Der Ausbau der mit Holzschutzmittel behandelten Bauteilen unterliegt besonderen Anforderungen an den Arbeitsschutz und sollte durch einen Fachbetrieb mit dafür qualifizierten Personal ausgeführt werden. Insbesondere müssen beim Ausbau von mit Holzschutzmittel behandelten Bauteilen die Anforderungen der TRGS 524 (TRGS 524: Technische Regel für Schutzmaßnahmen bei Tätigkeiten in kontaminierten Bereichen. Ausgabe: Februar 2010. Zuletzt geändert und ergänzt: GMBl 2011 S. 1018-1019 [Nr. 49-51]) berücksichtigt und eingehalten werden.

Chloranisole und das finanzielle Risiko beim Erwerb einer belasteten Immobilie

Die Belastung einer Immobilie durch Chloranisole kann wie oben beschrieben einen Totalschaden des Gebäudes bedeuten. Damit ist nicht selten auch der finanzielle Totalschaden gemeint. Genau aus diesem Grund muss es für Immobilieninvestoren oder Kaufinteressenten von größter Bedeutung sein, das erträumte Kaufobjekt vor der endgültigen Kaufentscheidung genauesten unter die Lupe zu nehmen; vor allem dann, wenn bereits beim Betreten der Immobilie unangenehme Gerüche wahrnehmbar sind.

Die Beratung durch einen Fachmann (zum Beispiel einen Gutachter oder Sachverständigen für Innenraumschadstoffe) wird dringend empfohlen.

 

TRGS 524: (Link zur BAuA) – Technische Regel für Gefahrstoffe. Schutzmaßnahmen bei Tätigkeiten in kontaminierten Bereichen. Stand Februar 2010.

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