Radon

Allgemeines über Radon

Radon ist ein natürliches jedoch radioaktives Edelgas, das in geologischen Erdschichten gebildet und aus dem Baugrund sowohl in Gebäude (insbesondere Kellerräume) und ins Freie freigesetzt wird. Es ist mit den menschlichen Sinnen nicht wahrnehmbar, da es weder olfaktorisch (gerüchlich) noch visuell auffällt, und dennoch ist es tödlich.

Das Radonfreisetzungspotential hängt stark von der Baugrundbeschaffenheit ab. Diese beeinflusst nicht nur die Radonbildung, sondern auch den Radontransport aus den geologischen Schichten heraus.

Den Weg in das Gebäude und somit auch in die Innenräume sucht sich Radon durch undichte Fugen im Boden-Wand-Anschlussbereich sowie kleinsten Rissen und Spalten der Bodenplatte und gelangt auf diese Weise zunächst in die erdnahen Bereiche der Gebäude (Kellerräume). Von dort aus kann die Ausbreitung in obere Etagen insbesondere über Versorgungsschächte, Kabelkanäle und Installationsdurchführungen sowie auch offene Zimmertüren bzw. Treppenaufgänge ihren Lauf nehmen.

Aufgrund des Verdünnungseffektes ist die Radonkonzentration in der Außenluft oft nur sehr gering und vergleichbar vernachlässigbar. Anders sieht es in den Innenräumen aus. Hier kann das einmal freigesetzte Edelgas nicht immer sofort nach draußen entweichen und sich somit bis zu kritischen Konzentrationen anreichern.

Die Belastung des menschlichen Organismus aus natürlich vorkommenden Radonquellen (natürliche Hintergrundbelastung = nHb) gehört zwar zu den typischen und in der Fachwelt bereits seit Jahren bekannten Innenraumschadstoffen, gerät aufgrund ihres nur schwachen „Bekanntheitsgrades“ jedoch oft in Vergessenheit oder findet meist überhaupt keine Beachtung bei der Überprüfung der Gebäude und Innenräume auf typische und vor allem gesundheitsrelevanten Schadstoffquellen.

Die Radonluftkonzentration wird in Becquerel gemessen. Becquerel (Abk.: Bq) ist die physikalische Einheit zur Bestimmung einer radioaktiven Substanz und beschreibt die Menge von radioaktiven Atomkernen, die pro Sekunde im Zuge eines radioaktiven Prozesses zerfallen.
Ihren Namen verdankt die Einheit dem französischen Physiker Antoine Henri Becquerel (* 15. Dezember 1852 in Paris, + 25. August 1908), der neben den beiden Physikern Marie Curie (* 7. November 1867 in Warschau, + 4. Juli 1934) und Pierre Curie (* 15. Mai 1859 in Paris, + 19. April 1906) durch die Entdeckung der Radioaktivität weltweite Berühmtheit und im Jahr 1903 den Nobelpreis für Physik erlangte.

Radon und die Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit

Radon und seine negativen und oft tödlichen Auswirkungen auf den menschlichen Organismus sind den Menschen bereits seit dem 16. Jahrhundert „bekannt“. In Deutschland – genauer gesagt in Schneebergen (Erzgebirge) – erkannte man bereits damals einen Zusammenhang zwischen der häufigen

Lungenerkrankungen der Bergarbeiter und ihrer Tätigkeit untertage. Damals wusste man noch nicht, dass es sich um Lungenkrebs handelte. Auch die Erkenntnis über Radon und seine Zerfallsprodukte war damals der Wissenschaft gänzlich unbekannt. Erst im 20. Jahrhundert konnten mehrere wissenschaftlichen Studien aufzeigen, welch eine tödliche Nebenwirkung das Einatmen des im Gebirge vorkommenden Edelgases mit sich bringt.

Aufgrund der langen Aufenthaltsdauern innerhalb der Innenräume (ca. 80 % des Tages halten wir uns in Innenräumen auf. Davon ca. 66 % in den eigenen vier Wänden) kann bereits eine geringe Belastung durch natürlichen Radon Folgen für die menschliche Gesundheit haben. Dabei sind insbesondere die kurzlebigen Radonzerfallsprodukte diejenigen, die sich negativ auf den menschlichen Organismus auswirken und zur Förderung von Lungenkrebs beitragen können. Umso wichtiger ist es, die Radonkonzentration innerhalb der Gebäude und Innenräume auf das Geringste zu reduzieren.

Untersuchungen und Datenerhebungen zur Folge sterben innerhalb der Europäischen Union (EU) jährlich etwa 19.000 bis 20.000 Menschen an Folgen einer durch natürlichen Radon verursachten Erkrankung. Innerhalb der Bundesrepublik Deutschland (BRD) liegt die Zahl der jährlichen Todesfälle bei knapp 1.800 Personen. Wobei diese Todesfälle immer mit einer Radonbelastung innerhalb der „eigenen vier Wände“ somit in den Wohnräumen in Verbindung gebracht werden.

Radon und seine Zerfallsprodukte gelangen beim Einatmen in die Lungen. Größtenteils wird der eingeatmete Radon beim Ausatmungsprozess aus dem menschlichen Körper wieder ausgeschieden, jedoch nicht vollständig.

Eine andere Art der Radonaufnahme erfolgt durch das Einatmen von außenlufttypischen Staubpartikeln auf denen sich Radonzerfallsprodukte anhaften und sich in den Lungen ablagern. Dort erfolgt er vollständige Zerfallsprozess, bei dem Alphastrahlungen freigesetzt werden, welche die strahlenempfindlichen Zellen der Bronchialepithels belasten und das Risiko einer Lungenkrebserkrankung steigern.

Über die Lunge kann Radon auch in den Blutkreislauf gelangen und somit auch andere menschliche Organe erreichen. Die dabei entstehende gesundheitliche Belastung und Gefährdung wird jedoch als sehr gering angesehen, so dass Lungenkrebs die einzige auf Radonbelastung zurückzuführende Erkrankung darstellt.

Radongrenzwerte für Innenraumluft und aktuelle gesetzliche Lage

Zwar unterliegen in Deutschland Arbeitsplätze mit erhöhter Radonexposition bereits seit Jahren den Bestimmungen der Stahlenschutzverordnung (StrlSchV: Verordnung über den Schutz vor Schäden durch ionisierende Strahlen „Strahlenschutzverordnung“ – Ausfertigungsdatum: 20.07.2001) für Radonexposition innerhalb von Innenräumen / Aufenthaltsräumen gibt es jedoch erst seit dem Jahr 2017 einen verbindlichen „Referenzewert“.

Zur Orientierung und Vergleich existieren aber auch weitere Empfehlungen unterschiedlicher Institutionen zur Bestimmung und Bewertung von sowohl Grenzwerten als auch Richtwerten der Radonkonzentration innerhalb von Innenräumen. Diese sollen nachfolgend dargestellt werden.

Europäische Union (EU):
Mit der Richtlinie 2013/59/Euratom hat die Europäische Union am 5. Dezember 2013 den vorbereitenden Grundstein für einen in allen Mitgliedsstaaten empfohlenen Referenzwert von 300 Bq/m3 Innenraumluft gelegt. Bei diesem Referenzwert handelt es sich um einen Jahresmittelwert, der durch Bildung eines Durchschnittswertes mehrerer Messergebnisse ermittelt werden muss.

Die verbindliche Umsetzung dieser europäischen Richtlinie in das nationale deutsche Recht sollte zunächst bis zum 6. Februar 2018 erfolgen. Durch die Novellierung des Strahlenschutzgesetztes (Gesetz zur Neuordnung des Rechts zum Schutz vor der schädlichen Wirkung ionisierender Strahlung. Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt am 27. Juni 2017) erfolgte die Umsetzung bereits im Jahr 2017.
Sollte der Jahresmittelwert den festgelegten Referenzwert von 300 Bq/m3 Innenraumluft überschreiten, so sind Minderungsmaßnahmen zur Verringerung der Radonfreisetzung in die Innenraumluft zu treffen (genaueres hierzu im weiteren Kapitel).

Weltgesundheitsorganisation (WHO):
Die Weltgesundheitsorganisation hat bereits im Jahr 2001 einen Grenzwert festgelegt, ab dessen Überschreitung Minderungsmaßnahmen zur Verringerung der Radonfreisetzung eingeleitet werden sollten. Dieser Grenzwert beträgt 250 Bq/m3 Innenraumluft.

Internationale Strahlenschutzkommission (ICRP):
Die Internationale Strahlenschutzkommission hat von einem festen Grenzwert Abstand genommen und lediglich eine Radon-Konzentrationsbereich vorgegeben. Demnach bestünde bei einer Konzentration im Bereich zwischen 200 und 600 Bq/m3 Innenraumluft Handlungsbedarf zur Verringerung der Radonfreisetzung.

Maßnahmen zur Radonminimierung

Ernsthafte Überlegungen über eine Radonsanierung der Immobilie sollten nach dem aktuellen Stand der wissenschaftlichen Empfehlungen erst nach Feststellung einer dauerhaften Überschreitung der Radoninnenraumkonzentration von 100 Bq/m3 Innenraumluft angestrebt werden.
Bevor man sich jedoch mit einer baulichen Gebäudesanierung zur Minimierung der Radonkonzentration in den Innenräume beschäftigt, sollte man alle anderen – und vor allem weniger aufwändigere und somit auch günstigere – Minderungsmöglichkeiten ausgeschöpft haben. Dazu zählen zum Beispiel:

– häufiges und intensives Lüften der Innenräume (positive Auswirkungen der ordentlichen Innrnaumdurchlüftung liegen nicht nur bei der Radonminimierung. Siehe hierzu gesondertes Kapitel)
– Abdichten von kleinsten Rissen sowie Fugen sowohl in den Wänden, Decken als auch der Bodenplatte
– Abdichten von Rohrdurchführungen sowie Öffnungen der technischen Anlagen (nur soweit möglich und erlaubt. Abdichten von Steckdosen ist NICHT möglich und auch lebensgefährlich! Davon muss unbedingt Abstand genommen werden!)
– Abdichten der Türen (insbesondere der Kellertüren)

Diese Maßnahmen sind schnell, mit geringen Aufwand und für kleines Geld durchführbar. Je nach Gebäudegröße und Umfang der Abdichtungsarbeiten können sich die Kosten auf 100 – 300 Euro belaufen.
Bringen diese Minderungsmaßnahmen nicht den gewünschten erfolgt zur dauerhaften Absenkung der Radonkonzentration in der Innenraumluft, sollten bauliche Sanierungsschritte in Betracht gezogen werden.

Die fachgerechte Radonsanierung sollte von einem Fachmann geplant und begleitet werden. Eine solche Maßnahme kann sich auf das Abdichten des Kellergeschosses beschränken (was aber unter Umständen auch mit kleinen bis großflächigen Ausschachtungsarbeiten im Außenbereich verbunden sein könnte). In einigen Fällen könnte aber auch das Verlegen einer sogenannten Radondrainage zur Erzeugung eines Unterdruckes im Baugrund erforderlich werden.
Je nach Auswahl der Sanierungsmethode können sich die dafür erforderlichen Kosten auf vier- bis fünfstellige Beträge belaufen. Daher sollte auch der Kosten-Nutzen-Faktor schon vor Beginn einer Radonsanierung abgeschätzt und individuell entschieden werden.

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